Die Vernunft! Schreit das eingebildete Gehirn
und präsentiert seine neuesten Gehirnlappen
Die Religion! Schreit die egoistische Seele
bloß, weil sie ewig leben möchte
Die Schönheit! Schreit der verfallende Körper
der nichts ist, als eine übergangslos vom Körperkult
zum medizinischen Fortschritt weitergereichte Modelliermasse

Wir erkennen Zusammenhänge
vermögen zu agieren, zu reagieren und – meist – zu ignorieren
Später – im Alter – wird die Seele frohlocken –
weil wir plötzlich auf ihre Unsterblichkeit hoffen
Aber bis dahin werden wir an unsere Körper glauben
und auf die Seele scheißen
die nie an das Jetzt denkt
sondern an das Nachher –
das sie ja doch nur am Arsch lecken wird
Und last not least kommt drohend (!!!) das lächerliche Herz daher:
Ich will Romantik, Scheißromantik und Kitsch, jede Menge Kitsch
Deck mich zu damit!
Scheiß mich zu damit!
Oder ich verpass‘ dir einen Scheißinfarkt!

Die neueren Gehirnlappen
wabbeln ratlos und verdrossen
Die schwache Seele
holt sich ergeben ihren Arschtritt ab
Der narzißtische Körper
klammert sich angstvoll an lebensspendende Maschinen
Das blutende Herz
schaufelt schon mal das Grab

Juni 2002

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ohne Titel

17 Oktober 2006

„Ich bin tolerant!“
Wie gut sich das anhört…
Aber manche dieser Duldsamen, Nachsichtigen
degradieren diese beispielhafte Eigenschaft
zu einem Airbag gegen seelische Verletzungen
Denn mit Toleranz
unterliegen sie kaum einer Enttäuschung
… und an Vertrauen und Zuversicht hat’s bei denen immer schon
gehapert!

Juni 2002

Irma (in memoriam)

16 Oktober 2006

Für Hans

Wenn einer behauptete
rachsüchtig seist du gewesen
boshaft und ohne Mitleid
bar jeder Güte
und arm an Geist
verzeihen tät‘ ich ihm
lachen vor Freude
und weinen aus Dankbarkeit
… wenn er dich nur zurückbrächte

Und wär’s der Herrgott selber
der jenes über dich sagte
freuen würd’s mich
dass er solch Spiel mit mir triebe
… verkehrte Welt oder so…
: weil dein Tod dann auch nicht wär

Februar 2004

Mensch, 3. Jahrtausend

5 Oktober 2006

ein Teppich aus Akazienblüten
zu deinen Füßen
ein Duft nach Milch und Honig
könnt‘ dir das Herz erwärmen
völlig umsonst
aber umsonst

Mai 2005

Zusammenwachsen

5 Oktober 2006

es knackt + knarrt
schiebt + türmt sich auf
bricht + stürzt!!!
nun heißt es warten
bis die Zeit
die gute Zeit
rundet + glättet
zerbröselt + mahlt
… so lange arbeitet
bis irgendwann
auch härteste Gegensätze
Früchte tragen

aber
aufrichten
ohne zu richten
erheben
ohne sich über andere zu erheben
frei sein
weil man die Grenzen kennt
– die eigenen und die der anderen –
fallen
mit der Gewissheit
nicht überfallen zu werden
gegenseitiges Wohl wollen
bereicherndes Verstehen
das ist: zusammen wachsen

Juni 2004

Du glaubst es nicht

5 Oktober 2006

Gestern
da beobachtete ich
wie ich kochendheißes Wasser
in die Vase goss
In die Vase
die deine welken Liebesgrüße zusammenhielt

Juli 2002

Selbstschutz

5 Oktober 2006

Du Mikado-Spieler.
Du Minenentschärfer.
Du Organtransplantierer.
Du akribischer Tüftler
und glorreicher Erfinder
des hieb-, stoß- und wetterfesten Herzens.
Du Schutzpatron der Ewigsicheren.

Der Mikadostapel wagt nicht einzustürzen.
Die Mine wagt nicht zu detonieren.
Die Organe wagen nicht zu versagen.
Und auch das Herz
schlägt und pumpt
und schlägt und pumpt.

Dieses Herz…
Ich wußte nicht, wohin damit.
Aber wenn du dann gehst,
dann nimm es mit…
das Herz!
Mitsamt seiner todsicheren Zukunft.
Es liegt im Uhrenkasten
und schlägt die Stunden:
Kuk – kuck
Kuk – kuck
Kuk – kuck

August 2002