der einzelne Gast

30 Mai 2011

ich wünschte
ich wär der Maitre d´hotel
in einem angesagten Restaurant
meine Gäste tafelten
und ich trüge Sorge
dass es ihnen an nichts mangele
ich wandelte mit achtsamem Blick umher
und die Gäste freuten sich
ob meiner Fürsorge
jedenfalls wär dies mein Bestreben
„Oh, der Wein ist im Abgang zu rauh…“
„Aber sicher, mein Herr…“
„Einen klitzkleinen Moment,
ich weiß schon, was ihnen munden wird… “
ich täte mit allen Gästen verhalten freundlich
aber doch so
als seien sie mir bekannt
und sie kosteten es aus
weil es wirkte
als speisten sie ständig
in dem teuren Restaurant
ich wär immer charmant
auch wenn es mir missfiele
mit welch hirnlosem Blick
sie die Kreationen unseres
Sternekochs verschlängen
und nach getaner Arbeit
ginge ich
zu dem einzelnen Herrn am Tisch
den der ganze Zirkus
unbeeindruckt ließ
ich fragte ihn
was er von einem Spaziergang
durch die Mailuft halte
und läde ihn auch ein
zu einem Pfälzer Riesling
aber es könnte auch etwas
ganz anderes sein…

* 07.11.1913 Mondovi, Algerien + 04.01.1960 Villeblevin, Frankreich

Die industrielle Zivilisation schafft und provoziert die künstlichen Bedürfnisse, indem sie die natürliche Schönheit abschafft und sie auf weiten Strecken mit dem Industrieabfall bedeckt. Ihretwegen kann die Armut nicht mehr gelebt und ertragen werden. (1956)

Man möchte, daß die Menschen, die man zu lieben beginnt, einen gekannt hätten, wie man war, ehe man sie kennenlernte, damit sie gewahr werden können, was sie aus einem gemacht haben. (1956)

Aus seinem Tagebuch 1951 – 1959

* 07.11.1913 Mondovi, Algerien + 04.01.1960 Villeblevin, Frankreich
Literaturnobelpreis 1957

Bild von Barbara Eckert-Stahl (c)

Blick in die Bratpfanne:

Der Pessimist
hat’s ja schon immer gewusst:
Cholesterin ist schlecht für’s Herz !!!

Der Optimist
hat’s auch schon immer gewusst:
Einen Tag, der so beginnt,
muss man vor dem Abend loben !!!