„Es genügt mir ein Wort dann, ein Lächeln nur, ein kleines.
Und ich bin fröhlich, fröhlich, daß ich dich bei mir habe.“

„Una palabra entonces, una sonrisa bastan.
Y estoy alegre, alegre de que no sea cierto.“

woher nahmst du sie
die Worte
Pablo Neruda?

sie reichen
bis zum tiefsten Meeresgrund
fliegen in Einklang
wie eine Kette von Wildgänsen
sie machen sich so zart
wie die Spuren der Möwen auf dem Strand (Zitat)
sind gewaltig und erhaben
wie die Berge der Anden
ineinandergeflochten
wie ein Liebespaar
und einsam und leidend
wie ein alter Wolf

woher nur
nahmst du deine Worte?

*12. Juli 1904 in Parral, Linares, Chile + 23. Sept. 1973 Santiago de Chile
Literaturnobelpreis 1971

Isidor kann zaubern

20 Juni 2007

mit Tarnkappe
mit Sonnenbrille
inkognito!

verletzt
verschlossen
eingekapselt

… sich als Ei wahrnehmend
und weil ein Ei doch jedem anderen gleicht
wiederum inkognito…

so betrat sie das ehemalige Jagdhaus
– Isidors Waldschenke –
nach nunmehr einem Jahr

ein erkennender Blick
aus Augen
wie sonnenbeschienene Kieselsteine
traf das Ei
und auch die Frage betraf das Ei:
„Was darf’s denn sein… wie immer?“
„Wie immer…“, nickte das Ei

Isidor kann zaubern!
vermag er doch
einem Ei
ein Lächeln zu entlocken

15 Juni 2007

Für manche ist „Empathie“ nicht deshalb ein Fremdwort, weil es ein Fremdwort ist, sondern weil es ein Fremdwort ist.

schöne Pfalz

14 Juni 2007

Blüten sitzen
wie gelbe Meerspinnen
auf den Kronen
der Edelkastanien

Feigenbäume bilden Alleen
im Schutz der engen Gassen
… Winzerdörfer
mit südländischem Flair

Weinfeste
betitelt mit Worten
aus der Schatztruhe
des hiesigen Dialekts

Zurufe… Satzfetzen…
Pfälzisch!!!
mit vielen „sch“
und Worten ohne Endunge(n)
erheiternde Feststellung:
„de Dadiv is ‚m Genidiv soin Dohd“

Witto (in memoriam)

9 Juni 2007

damals, weißt du…
nachdem du…
lungertest du ständig
um mich herum
schautest mir
vom Schrank
vom Türrahmen herab
über die Schulter

und manchmal
da machte ich dir
bittere Vorwürfe
oder erging mich in Beschimpfungen:
„Was glotzt du von da oben herunter,
du eulen-, du stecknadeläugiger Blödkopf?“

meist jedoch
herrschte zu jener
unwiederbringlichen Zeit
heilsames Einvernehmen

eines nachts
sagtest du
mit resigniertem Achselzucken:
„Weißt du… ich hätte immer so weitergemacht!“

von da an
turntest du an keinen
Spinnfäden mehr herum
und auch das
leiseste, unverhoffte Gardinenrascheln
blieb aus…

mir blieben nur deine Worte
„… ich hätte immer so weitergemacht…“
und mein Versuch, sie zu deuten:
trauert nicht mehr
hört auf, die Schuld benennen zu wollen
unterlasst eure Selbst-
und auch die anderen Vorwürfe
beendet eure Suche

ich war es doch
der suchte
seid beruhigt
mein Tod heißt: Frieden!

9 Juni 2007

Da die Lebenserwartung steigt, können wir dem Jugendlichkeitskult länger huldigen.

sta41453.jpg

gib acht auf die Stufen
und geh‘, mein Kind

es wird leiser werden
– mein Bedarf an Rap-Monotonie ist für immer gedeckt
und es wird leerer werden
– vor allem die Badezimmerregale

deine oft üble Laune, Gereiztheit und Bequemlichkeit
hätten selbst Walrosse zur Verzweiflung gebracht
mich ermüdeten sie (nur)
– nicht gerade schmeichelhaft, aber wahr

wir verließen uns aufeinander
abgemacht war abgemacht
ohne Wenn und Aber
und das bleibt, mein Kind

du hast meinen Segen
es ist an der Zeit
geh’… und achte auf die Stufen