„auf zu neuen Ufern
holde Nussschale“

der große Metaphysiker sprach’s
bettete sich nieder
und überließ sich dösend
dem Schaukeln der Wellen

„in Patagonien
da gibt es null Magnolien
und schippre ich nach Tanger
so wird mir angst und banger…“

der große Megaphysiker
grölte irre Verse
die ungehört verhallten – (zum Glück)

„mach kein Geschrei
wir sind nicht auf Hawa…“

er fegte den Dämmer aus
seinem schlaffen Gehirn
und schaute was er hörte
eine Handvoll Möwen
begrüßte krächzend
einen neuen Tag

der große Metaphysiker
beobachtete die Menschen
auf ihren Schaukeln
wie sie hochschwangen
zur Selbstherrlichkeit
und sich mit selbigem Rückwärtsschwung
hineinkatapultierten
in das Bewusstsein der Unzulänglichkeit

der große Metaphysiker
betrachtete seine Füße
die kleine Kreise beschrieben
auf dem festgetrampelten Boden
er seufzte ein wenig
und fühlte sich langweilig und töricht
„weshalb die Kräfte schonen
wenn man sie sinnlos verschleudern kann?“
er kicherte ein wenig
rutschte von der Schaukel
und richtete seine Aufmerksamkeit
auf das unbestimmte Glitzern
das seine Gedanken querte

der große Metaphysiker
bemerkte die Vogelschar
die sich aus dem milchigtrüben Horizont löste
um krächzend den ozeanfarbenen Himmel zu bevölkern

„Welch ein Glück…
dieses Losfliegen-Können…
dieses Abstreifen jeglicher Erstarrung…“

er sah noch einmal
auf die Brücke
die gerade so breit war
wie die Spanne seiner Hand…
und er marschierte los!

Der große Metaphysiker IV

11 Dezember 2011

er strauchelte ein wenig
der große Metaphysiker
„was tu‘ ich hier…“
fragte er seufzend
schaute auf zum ozeanfarbenen Himmel
und hinab zum himmelblauen Ozean

im milchigtrüben Horizont
verlor sich der Steg
der ihm Boden unter den Füßen war
vorsichtig… vorsichtig…
drehte er den Kopf
und da war ihm
als narre ihn ein Spiegelbild

mutlos senkte er sein Haupt
„was soll mir ein Boden
gerade so breit
wie die Spanne meiner Hand?“
klagend hob er die Arme
ein kleines erbarmungswürdiges
Kichern machte sich Luft

nachdenklich
stützte der große Metaphysiker
den Kopf in die Hände
und fragte schließlich
„wer bist du?“
„ich bin nur ein Symbol –
ein Symbol für das Leben“
antwortete der Knoten

„das Leben… “ sinnierte
der große Metaphysiker
„woraus besteht das Leben?“
„aus Mangel und aus Fülle“
sprach der Knoten
der ein ewiger Knoten war
weil er weder Anfang noch Ende kannte

der große Metaphysiker
seufzte ein wenig
strich sich die Haare glatt
und kämmte sich
ein leises Lächeln
ins bleiche Gesicht

der große Metaphysiker II

26 Oktober 2008

ein Stern fiel
in das Labyrinth des Wahnsinns
geradewegs vor die Füße des großen Metaphysikers
der Stern detonierte sanft
aber doch so
dass die Wände des Labyrinths
wie Spielkarten zusammenfielen

im letzten Flimmern
des tödlich verletzten Sterns
fand der große Metaphysiker die Orientierung wieder
er weinte dankbar aber auch verzweifelt
ein Stern hatte sich für ihn zu Tode gestürzt
nun musste er die Bürde tragen
die da hieß:
ZURÜCK IN DIE WIRKLICHKEIT!!!

der große Metaphysiker

3 Oktober 2008

ein Stern war dem großen Metaphysiker vor die Füße gefallen
er tötete ihn nicht
er wandte sich ab
ließ ihn liegen
was sollte ihm das Leben
oder der Tod
eines einzelnen Sterns
es gab derer viele

erst später wird er erkennen
dass jeder Stern auf eigene Weise funkelt
theatralisch wird er die Arme ausstrecken
und überzeugt sein
den Schweif eines Kometen gesehen zu haben
aber es wird eine Fruchtfliege gewesen sein
die – angezogen vom Weindunst seines Atems –
vor seinen Augen geflimmert hatte

(Dank an Miro! Er gab mir die Anregung zu diesen Zeilen durch:
„Der große Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück“)