Hermann Buhl (in memoriam)

17 Oktober 2000


Nach der Gipfelbesteigung des Nanga Parbat

Eigentlich handelt es sich hier um meinen Bericht über den Diavortrag (REH Weinheim) des Hermann-Buhl-Experten Horst Höfler.

Der 1924 in Innsbruck geborene Hermann Buhl hatte durch den frühen Tod der Mutter eine schwere Kindheit. Er galt als eigenwilliger Außenseiter. Bereits in Kindertagen wurde der eher schmächtige Junge vom Gedanken beherrscht, dass er „etwas Besonderes machen wollte“. Dem Jugendlichen wurde klar, dass dieses Besondere, dem er mit großen Ehrgeiz folgen würde, das Bergsteigen war. Das Karwendelgebirge, die Innsbrucker Nordkette, wurde für ihn zum Abenteuerspielplatz. Hier galt es, bergsteigerisches Können und Geschicklichkeit zu proben und auszuweiten. Selbst die Prophezeiung erfahrener Bergsteiger „Du gehörst nicht in den Berg – du wirst nie ein Bergsteiger“, vermochten den ungestümen Buhl nicht zu beeinflussen. Mit 18 Jahren meisterte er Klettertouren bis zum 7. Schwierigkeitsgrad. Doch die Hölle des Krieges, die er als Sanitätssoldat bei der Schlacht um Monte Casino überlebte, stellten einen schwer zu bewältigenden Einbruch im Leben des jungen Buhl dar, von dem er sich nur langsam erholte. Eine gemeinsame Mont-Blanc-Überschreitung mit Martin Schließler, brachte ihm den Ruf ein, kompromisslos, besessen und egoistisch zu sein. Im Winter 1950 führten ihn ehrgeizige Touren zur Marmolata-Südwestwand und zur Nordwand der westlichen Zinne, wo er um Haaresbreite einem tödlichen Sturz entging. Hermann Buhl erklomm die Eiger-Nordwand und beging im Alleingang den Piz Badile. Längst war er unter den Alpinisten kein Unbekannter mehr. Im Jahre 1951 heratete er Eugnie (das Generl), eine Frau mit beachtlichen bergsteigerischen Fähigkeiten. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Die Unterstützung Louis Trenkers verhalf dem, sich ständig in finanziellen Sorgen befindlichen Buhl, 1952 zu einem festen Arbeitsplatz als alpinistischer Berater und Sportartikelfachverkäufer. Für eine Expedition zum Nanga Parbat (Himalaja) wurde eine Mannschaft, bestehend aus den besten Bergsteigern der damaligen Zeit, zusammengestellt, darunter auch Buhl. Vielleicht lag es am nervenaufreibenden, wetterbedingten Warten in den Basislagern, vielleicht aber auch an Buhls sprichwörtlich schwierigem Wesen, dass sich schon bald Auseinandersetzungen mit Aschenbrenner, dem Bergführer, einstellten. Am frühen Morgen des 2. Juli 1953 brach Buhl zusammen mit Otto Kempter zum Gipfel des Nanga Parbat auf.

Kempter musste sein Vorhaben wegen schlechter körperlicher Verfassung aufgeben. Buhl befand sich allein auf dem 7.700 Meter hohen Silberplateau und erreichte, angetrieben durch seinen enormen, zähen Willen, um 19.00 Uhr den Gipfel des Nanga Parbat (8.125 Meter). Einen Pickel als Beweisstück zurücklassend trat er den Rückweg an. Die Hoffnung auf das Mondlicht, das ihm den Weg weisen sollte, musste er aufgeben. Auch die Suche nach einem geeigneten Biwakplatz misslang und so verbrachte er die ungewöhnlich milde Nacht (20 Grad minus) bis zum nächsten Morgengrauen im Stehen. Von Halluzinationen getrieben, fand er zu dem Suchtrupp seiner Kameraden zurück. Diese Gipfelbesteigung, die ihm Erfrierungen einbrachte und schließlich die Amputation zweier Zehen kostete, machten Buhl zu einem Star. Europaweit hielt er brillante Vorträge. Die Besessenheit, die ihn angetrieben hatte, das Unmögliche zu riskieren, der er viele spektakuläre Erstbesteigungen zu verdanken hatte – dieses vom Hochleistungsbergsport besessene Leben des Hermann Buhl endete im Zenit seiner Laufbahn: 1957 führte ihn eine Expedition nach Karakorum (Mittelasien). Auf dramatische Weise kam er am Siebentausender Chogolisa ums Leben und wurde danach zur Legende.

Es gibt auch Literatur: „Kompromisslos nach oben“, herausgegeben von Reinhold Messner und Horst Höfler.