Flaschenpost

28 August 2012

meine ICHs

die leben in zwei Welten

das eine tummelt sich im Wasser

das andere wohnt an Land

das eine kümmert sich

um Haus & Herd, um Job & Geld

es isst & trinkt, atmet ein & atmet aus

wacht & schläft, lebt weder in Saus noch in Braus

das andere schwebt durch Gräben in tiefer See

treibt durch ozeanische Weiten & Meeresengen 

wabert in Untiefen & tost mit der Brandung

es rauft sich die Haare & heult & schreit

es tanzt herum, lacht sich schief & lacht sich krumm

es merkt sich alles, schreibt & malt & zeichnet auf

und schickt allnächtlich Flaschenpost

an sein schlafendes Pendant an Land 

es sendet recht herzliche Grüße

& wünscht beim Lesen viel Spaß & Verstand

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Don Quijote

26 August 2012

etwas Traumhaftes, etwas Unerreichbares

wird den Menschen als Erfüllung ihrer Wünsche vorgegaukelt

ewige Jugend, ewige Schönheit, so heißen die Sehnsüchte

die die Kassen der Strategen zum Klingen bringen

wie kann es sein, dass die Gelackmeierten lachen können

über einen wie Don Quijote

der doch lediglich gegen Windmühlen kämpfte?

Bild: Pablo Ruiz Picasso

die Tür

20 August 2012

Bild: Barbara Eckert-Stahl

ich träume nicht viel

ich arbeite lieber

doch dann

steht mir wieder

diese Tür im Weg

sie fordert auf

zum Betreten

grenzenloser Welten

aber ich träume nicht viel

ich arbeite lieber

20 August 2012

ein weiter See

eine Einladung

zum vereinten Segelsetzen

dein hoffnungsfrohes Lächeln

warf mich über Bord

LA MUSE MALADE

Ma pauvre Muse, hélas! qu’as-tu donc ce matin?

Tes yeux creux sont peuplés de visions nocturnes,

Et je vois tour à tour réfléchis sur ton teint

La folie et l’horreur, froides et taciturnes.

(Les Fleurs du Mal) 

DIE KRANKE MUSE

Meine arme Muse, ach, was hast du heute morgen? Deine

hohlen Augen sind bevölkert von nächtlichen Gesichten,

und über deine Haut seh ich den Wahnsinn bald sich breiten

und bald das Grauen, beide kalt und verbissen schweigend.

(Die Blumen des Bösen)

* 9. April 1821, Paris + 31. August 1867, Paris