der große Metaphysiker II

26 Oktober 2008

ein Stern fiel
in das Labyrinth des Wahnsinns
geradewegs vor die Füße des großen Metaphysikers
der Stern detonierte sanft
aber doch so
dass die Wände des Labyrinths
wie Spielkarten zusammenfielen

im letzten Flimmern
des tödlich verletzten Sterns
fand der große Metaphysiker die Orientierung wieder
er weinte dankbar aber auch verzweifelt
ein Stern hatte sich für ihn zu Tode gestürzt
nun musste er die Bürde tragen
die da hieß:
ZURÜCK IN DIE WIRKLICHKEIT!!!

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das Verbindende

21 Oktober 2008

Bild: „Die 10 Gebote“ von Anouk Bourrat-Moll

ich wünschte
ich lebte in einer Welt
in der die Zeichen
aller Kulturen
einträchtig nebeneinanderstehen

in einer Welt
in der nicht das Trennende
sondern das Verbindende bedeutsam ist

ich wünschte
ich lebte in einer Welt
in der sich Menschen
mitsamt ihrer
Vergangenheit
Gegenwart
und Zukunft
zu einem harmonischen Ganzen
zusammenfügen

ich wünschte
dies wäre
nicht nur ein Wunsch…

Sonnen unter sich

17 Oktober 2008

auch Sonnen
haben so ihre Art
sich auszutauschen

Sonne 1:
… Riesenplanet Ramses
dieser atmosphärelose Gesteinsbrocken
wird nun 8! (Milliarden Jahre)

Sonne 2:
… Mafalda wurde gerade 5
… sie ist und bleibt ein langweiliger Eisklotz!

Sonne 3:
… mich umrunden derzeit ein paar
vulkanübersäte, pubertierende Möchtegernplaneten…

Sonne 4:
in meinem System kreist
eine opalene Schönheit…
auf ihr gibt es organisches Leben
nun geht sie daran zugrunde
sie bietet ihren Schädlingen
einfach zu gute Bedingungen
… das dumme Ding….!!!

Sonne 2 streichelt mit
einem tröstenden Extra-Strahl
über die Sonnenflecken der 4:
mach‘ dir keine Sorgen
organisches Leben…
was ist das schon?
nichts von Dauer
nichts von Bedeutung
nichts als eine Eskapade des Universums!

eigentlich…

12 Oktober 2008

meist
bin ich davon überzeugt
dass die Zeit schneller vergeht als ich

diese Sekunden, Minuten, Stunden…
wie flugs sie doch zerrinnen
sie eilen mir voraus
ich hol‘ sie nie ein

und obwohl mir die Zeit davonrennt
werde ich eher Vergangenheit sein als sie
sie vergeht und vergeht und vergeht…
das macht sie schon immer
und das wird sie immer tun

eigentlich…
ein langweiliger Job!

6 Oktober 2008

dem Wort allein
darf man nicht glauben
manch einer gibt sein Herzblut
mit dürftigen Worten

ein anderer erzeugt
aufgeblasene Worte
die nichts sind
als eine Zusammenfügung von Lauten
zu bedeutungsloser Leere

es kommt darauf an
wie die Worte
deinen Mund verlassen
mit wieviel
Seele und Reinheit und Gewicht

der große Metaphysiker

3 Oktober 2008

ein Stern war dem großen Metaphysiker vor die Füße gefallen
er tötete ihn nicht
er wandte sich ab
ließ ihn liegen
was sollte ihm das Leben
oder der Tod
eines einzelnen Sterns
es gab derer viele

erst später wird er erkennen
dass jeder Stern auf eigene Weise funkelt
theatralisch wird er die Arme ausstrecken
und überzeugt sein
den Schweif eines Kometen gesehen zu haben
aber es wird eine Fruchtfliege gewesen sein
die – angezogen vom Weindunst seines Atems –
vor seinen Augen geflimmert hatte

(Dank an Miro! Er gab mir die Anregung zu diesen Zeilen durch:
„Der große Metaphysiker kehrt in die Avantgarde zurück“)