Wassernixe

die letzten Pelikane

für diesen Tag

gleiten beutesuchend

dicht über die Wellen

                                                                                                                                                              .

eine Handvoll Wassernixen

tummelt sich

mit ihren Prinzen

im Perlgrau

des schwindenden Tages

                                                                                                                                                        .

am Rande des

sanft atmenden Ozeans

verweht der Tag lautlos

schon künden erste Sterne 

vom Anbruch der Nacht

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Mulata

eine Rumflasche in schwieligen Händen

Mestizenaugen blicken herüber

bieten an und fordern auf

Lächeln

Becherfüllen

wir stoßen an

trinken auf uns und den Augenblick

der Rum, der heißt Mulata

und ich, ich komm‘ aus Alemania

und ja… so weit…

und ja… so fern…

manche Momente finden Halt in der Erinnerung

manche Momente schreiben Zeilen

adios, amigo!

Kuba

7 April 2013

Kuba2013

wie du daliegst

mit ausgebreiteten Armen

auf türkisblauem Laken

über dir die Wolken

wie geschaffen von Magritte

oder sonstwem

wie du daliegst

den Geruch nach Leben verströmend

den Geruch deiner Wälder und Flüsse

deiner Menschen und Tiere

wie du daliegst

mit dem erhabenen Lächeln

einer Mutter

an die sich viele Kinder schmiegen

stolze, lebensstarke Kinder

sie singen und träumen

sie reden und schreiben

in der Sprache deiner Eroberer

deine Kinder, Kuba

die du lehrtest 

aus der Not das Beste zu machen

und das tun sie

TAPFER!!!

heute… und… wie lange noch… ?

Der Moment

                                                                                                                                                                   .

Ich habe nichts als

die Nacht aus

100 x 100 Nebellichtjahren

                                                                                                                                                                    .

Ich habe nichts als

die Stunde aus

60 x 60 Sekunden

                                                                                                                                                                   .

Ich habe nichts als den Moment

                                                                                                                                                                   .

Der Moment ist meine Schöpfung

die Brücke von meinem

Staubgeist zum Sterngeist

Der Moment ist mein Flügel

zum Flügel des nächsten Moments

                                                                                                                                                                   .

Ich habe nichts als den Flügel

Ich habe nichts als die Schöpfung

Ich habe nichts als den Moment

Rose Ausländer *11.05.1901  +03.01.1988

Tropfen

wie leiser Regen

fielen die Tage

Tropfen um Tropfen

unseren Lebensrest verkürzend

sanft woben sich

die Jahreszeiten

eine in die andere

wir schauten nach vorne

oder schauten zurück

lebten selten im Augenblick

wir verabschieden das Alte

und überhäufen das Neue

mit unserem Sehnen

nach Liebe und Glück

5 November 2012

so laufe ich denn

unter dem Schirm

der mich vor Regen schützt

und den Blick verwehrt

auf ein Quentchen

Himmelblau

geh schon, geh!

1 Oktober 2012

leichten, federnden Schrittes ziehst du davon

großzügig sonnige Lächeln verteilend

so wohlgelaunt… als sei’s kein Abschied

ich dank‘ für das Almosen, aber ich brauch‘ es nicht

nun geh, mein Freund, geh nur, geh! 

ein wundersamer Maler verteilt schon seine Farben

wo du weiltest, steht nun die Staffelei

er malt Blätter und Bäume, letzte Blumen, wer weiß…

bringt sanfte Melancholie und Frieden vielleicht…

nun geh schon, geh!

Flaschenpost

28 August 2012

meine ICHs

die leben in zwei Welten

das eine tummelt sich im Wasser

das andere wohnt an Land

das eine kümmert sich

um Haus & Herd, um Job & Geld

es isst & trinkt, atmet ein & atmet aus

wacht & schläft, lebt weder in Saus noch in Braus

das andere schwebt durch Gräben in tiefer See

treibt durch ozeanische Weiten & Meeresengen 

wabert in Untiefen & tost mit der Brandung

es rauft sich die Haare & heult & schreit

es tanzt herum, lacht sich schief & lacht sich krumm

es merkt sich alles, schreibt & malt & zeichnet auf

und schickt allnächtlich Flaschenpost

an sein schlafendes Pendant an Land 

es sendet recht herzliche Grüße

& wünscht beim Lesen viel Spaß & Verstand

Don Quijote

26 August 2012

etwas Traumhaftes, etwas Unerreichbares

wird den Menschen als Erfüllung ihrer Wünsche vorgegaukelt

ewige Jugend, ewige Schönheit, so heißen die Sehnsüchte

die die Kassen der Strategen zum Klingen bringen

wie kann es sein, dass die Gelackmeierten lachen können

über einen wie Don Quijote

der doch lediglich gegen Windmühlen kämpfte?

Bild: Pablo Ruiz Picasso

die Tür

20 August 2012

Bild: Barbara Eckert-Stahl

ich träume nicht viel

ich arbeite lieber

doch dann

steht mir wieder

diese Tür im Weg

sie fordert auf

zum Betreten

grenzenloser Welten

aber ich träume nicht viel

ich arbeite lieber