Eine wahre Geschichte

12 März 2008

die beiden Alten
immer
wackelten sie
Hand in Hand
die Straße entlang

winters reichte ihnen
ein Schal
sie wickelten sich
je ein Ende um

freilich wirkte das
ein wenig plemplem
mit der Zeit aber
wurd‘ s normal

nun sieht man ihn
allein
die Frau ist tot
er trägt keinen Schal mehr
auch im Winter nicht

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4 Antworten to “Eine wahre Geschichte”

  1. Bjoern said

    Obwohl meiner Liebsten und mir noch ein wenig Zeit bleibt, macht mich der Gedanke, daß einer von uns zurück bleibt, schon heute traurig. Vielleicht sollte man mehr das Schöne sehen – und sich für den Mann freuen, der am rechten Ende des Schals alt geworden ist. Aber wenn ich meinen Onkel anschaue, dessen Frau letztes Jahr starb, weiß ich, daß das dann kein Trost ist: „Alle sagen, daß das Leben weiter geht – aber wie, Bjoern, wie …“

  2. Holger said

    Ein schönes Gedicht und gut beobachtet. Als eifriger Leser von Todesanzeigen (das hat mir meine Oma vererbt), liest man des öfteren gleich zwei Namen, in sehr kurzen Abständen folgt der zurückgebliebene Partner. Vierzig oder mehr zusammengeliebte- gelebte Jahre hinterlassen Spuren im Herzen. Da folgt man gern. Schon wegen des Schals. Auch wenn man dann solche Sätze hört, wie Björn es schrieb.

  3. cjohann said

    Ja, seufz… ich dank‘ Euch sehr für Eure offenen Zeilen.
    Der Schal hat mich noch beschäftigt. Bei einem normalen Schal gibt’s kein rechtes und linkes Ende! :Du legst ihn zusammen… nimmst ihn wieder auf… und schon ist rechts links, bzw. umgekehrt. Wenn man einen Schal teilt, gibt es keine eigene Hälfte!
    Vielleicht… vielleicht sollte man die bedrückenden Ahnungen, die Angst vor Schmerz und Traurigkeit, als Aufforderung verstehen, das Hier und Jetzt bewusst zu leben…
    Liebe Grüße!

  4. Bjoern said

    Ich glaube es ist ‚andersrum‘: Nur im Hier und jetzt gibt es diese Traurigkeit. Wachsen tut halt weh – aber danach holte einen immer jemand mit einem irre langen Schal ab.

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