Dolomiten (Rosengarten) – Imst – Ehrwald

4 Juli 1997

Der etwas andere Reisebericht: Aus dem Tagebuch des boshaften Zwergenkönigs Laurin

Ich bin Laurin der Zwergenkönig! Und ich werde Sorge tragen, dass diese sieben albernen Wanderer, die sich aufgemacht haben, mein Reich zu erkunden, schnellstmöglich verschwinden. Ihre Namen sind mir bekannt: Barbara, 2 x Claudia, Arno, Klaus, Herbert und Manfred.

25. Juni 1997
Die Eindringlinge kommen!!! Um die Mittagsstunde erreichen sie Vigo di Fassa; per Seilbahn gelangen sie zum Ciampedie (1998 m). Noch voller Zuversicht, was Pläne und Wetter betrifft, wandern die Einfaltspinsel bergan. Sie erfreuen sich an Teufelskralle, Enzian und Aurikel. Ha… dafür schicke ich ihnen Schauer und Hagel. Das Tagesziel, die Rotwandhütte, erreichen sie dennoch unbeschadet.

26. Juni 1997
Diese Lächerlichen (vom DAV Weinheim!), sie wollen über den Rotwand-Klettersteig zur Rosengartenhütte. He, he… ich treibe Wolken und Nebel durch mein Land. Das erschreckend umsichtige Oberhaupt der Bande „wartet die Wetterlage ab“. Er führt sie nicht in mein verhängnisvolles Nebelreich. Diese Unverschämten gelangen über den ungefährlichen Wanderweg zur Rosengartenhütte (Kölner Hütte). Nachmittags marschieren sie geschlossen gen Vaiolon-Pass, wobei sie sich unterwegs auf ekelhafte und kindische Weise an meinen Murmeltieren erfreuen. Ich beruhige mich erst, als ich sehe, dass sie vom Weg abkommen. Ja, sie sollen sich über den Nebel ärgern, sich vor der Teufelswand fürchten und sich gegenseitig auf die Nerven gehen. Ich säe Zwiespalt und Verdruss, doch die Saat fruchtet nicht. Ihre Kameradschaftlichkeit und Fröhlichkeit erzürnen mich. Bereits in der Nacht lasse ich Sturm und Regen um die Rosengartenhütte toben.

27. Juni 1997
Morgenstunde! Kopfschüttelnd schauen sie durch die Scheiben. Der Sieg gehört mir… sie treten den Rückzug nach Vigo di Fassa an. Sie werden eine Lektion erhalten, sobald sie den nunmehr reißenden Gebirgsbach überqueren. Er soll ihnen die Beine wegreißen… ha, sie zögern, waten dann aber entschlossen durch das aufgebrachte Wasser und holen sich… Kruzifix nochmal… lediglich nasse Füße. In der Talstation der Seilbahn wechseln sie ihre durchnässten Gewänder und kehren dann wohlbehalten im nächsten Gasthof ein. Sie grübeln und mutmaßen, ob ihnen das Wetter des nördlichen Alpenlandes vielleicht mehr Spaß böte. Mittels ihrer beweglichen Kisten ziehen sie gen Norden. Ich juble und frohlocke, zu früh… denn was muss ich von den Zwergen der nördlichen Alpen erfahren?: Diese widerlichen Optimisten lassen sich durch ein paar Sonnenstrahlen dazu verleiten, sich in Imst einzunisten.

28. Juni 1997
Wie mir mitgeteilt wird, erreichen die Sieben gegen zehn Uhr mit dem Sessellift das Alpjoch. Das verheißungsvolle Wetter lockt sie zur Muttekopfhütte und schließlich zum Einstieg des Imster Klettersteiges (2200 m). Gemeinsam versuchen sie, über den achthundert Meter langen Steig den Gipfel des Maldonkopfes (2630 m) zu erklimmen. Man berichtet mir, nur zwei oder drei hätten Klettererfahrung, der Rest der Truppe bestünde aus Stümpern, ja, sei teilweise unfähig, einen Achter oder Sackstich zu knoten… stell‘ sich das mal einer vor… Aber wieso erreichen sie alle recht problemlos das Gipfelkreuz? Sie johlen und freuen sich… einfach degoutant. Selbst der schwierige Abstieg verursacht keine Ausfälle. Abenteuerlustig fahren sie hunderte von Metern über Schnee und Geröll ab. Befänden sie sich in meinem Reich, so verschüfe ich ihnen ein Schneegewitter. Nach labender Einkehr in der Muttekopfhütte laufen sie am Abend in Hoch-Imst ein und amüsieren sich als tanzende Derwische auf dem Imster Stadtfest.
Erst spät in der Nacht fallen sie erschöpft auf ihre Lager.

29. Juni 1997
Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, dass die sieben Alpenwanderer während der Morgenstunden Imst verlassen. Endlich!!! Sollen sie doch in ihre flache Heimat zurückkehren. Ja, ist denn das die Möglichkeit? Himmeldonnerwetter, sie pausieren in Ehrwald. Nein, sie rasten nicht, sie nehmen den Ehrwalder Klettersteig in Angriff. Nur fünfe von ihnen bezwingen den schwierigen Steig, aber das verhilft mir nur zu magerem Triumph. Vor der Ehrwalder Almhütte beschließen sie den Nachmittag, bevor sie endlich dahin klettern, wohin sie gehören: in ihre Fahrzeuge. Die Sieben von der Müller-Connection (so nennt man das doch heutzutage?), sitzen bereits in ihren Rollkisten, als die ersten schweren Tropfen fallen… irgendwie… verdienen sie meine Hochachtung!

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Eine Antwort to “Dolomiten (Rosengarten) – Imst – Ehrwald”

  1. Ulf Runge said

    Liebe Claudia,

    das ist eine wunderschöne Eröffnung Deines Blogs!
    Stümper schreibst Du?
    Sind wir nicht irgendwann alle mal Anfänger, die sich einer Herausforderung stellen?
    Wer sich in die Obhut erfahrener Mitmenschen begibt, wird den Trollen der Berge keine Angriffsfläche bieten…

    LG, Ulf

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