der Tod trug Leggins
und sie lachten über ihn
über ihn und seine Sense
die er voller Inbrunst schwang
sie fühlten sich sicher
so weit weg von ihm
und sie lachten sich krumm
und sie lachten sich schief
und bemerkten nicht
wie gefährlich nah
seine Sense eben noch
die Luft durchschnitt…
Kinder
angstgelähmt
Kinder
umstellt
von unbegriffenen Schreckenszeichen
Kinder
der Muttersprache beraubt
verlassen in der Ohnmacht
flehender Gesten
Kinder
brandbefleckte Gesichter
das Weiß der Verbände
kleidet
braune Nacktheit
Kinder
vor großen
Augen
neigt sich
der
Todesengel
Kyrie eleison
(Horst Meixner)
.
Gegen Null
Das Senkblei
der Schwermut
findet
keinen Grund
Davor
Und danach
verloren
in leere Gegenwart
Schwarze Wände
bleiben
ohne
Echo
(Horst Meixner)
.
Aufhellung
die schwarze Wand
weicht zurück
Lichtsignale
in Traumtunneln
der Weg
übers Tränengestein
Hände tasten
nach wehenden Schleiern
Atemnähe
an toten Zweigen
funkeln Kristalle
die Stille
Echo
einer fernen Musik
(Horst Meixner)
Verschwörung
12 Oktober 2009
da sitzt du nun
… im Rollstuhl
klaubst unsichtbare
Fusseln
von Jacke und Hose
sind dies die Fäden
der Erinnerung?
waren sie einst Naht
die deine und meine
Welt verband?
behutsam und
verschwörerisch
legst du mir den Schatz
in beide Hände
niemand wird ihn
je erblicken
das versprech’ ich dir!
Dämmerung
6 Oktober 2009
so gegen 12 Uhr mittags
verflüchtigte sich sein Verstand
nun gleichen seine Worte
verwelkten Blumen
gebunden zu einem
derben Strauß
ratlos forscht mein Blick
in den Krümeln
zerfallender Blüten und Blätter
vergebliche Suche nach Spuren
der Wiesenblume, Nelke oder Rose…
Herbstwind
treibt die dürren Reste
hin zur abendlichen Dämmerung
doch manchmal
durchbricht das flehende
Flackern seiner Augen
die nahende Dunkelheit
und das ist das Schlimmste!
er mustert mich
20 August 2009
gelangweilt blättert
Petrus im „Himmelsboten“
er lümmelt auf einem Barhocker
trägt Latzhosen und sieht aus
wie James Dean
er mustert mich
so von schräg unten
P: Was willst’n hier?
ich: Anklopfen halt…
er tippt auf den Zettel an der Pforte
„Geschlossene Gesellschaft!“
P: Kriegsveteranen unter sich…
hast dort nix zu suchen.
ich: Weltkrieg oder Vietnam?
P: Waterloo!
… Napoleon, Blücher – und was weiß ich…
er mustert mich
so von schräg unten
P: Kannst zu ‘ner andern Fete kommen,
Joplin, Hendrix… auch der Lennon ist dabei…
ich will mich neben den Türpfosten setzen
P: Schwirr ab!
Kannst hier nicht rumhängen.
Party steigt am 11.04.36.
Komm bloß nicht vor zehn -
abends – wohlbemerkt… Küken, du…
hoffentlich vergess’ ich die Uhrzeit nicht
Hand in Hand
4 Juli 2009

14. Dalai Lama + 17. Karmapa
Bild von Stefanie Bechert + Prof. Dr. Rudolf Hauber (c)
als flögen
zwei Schwalben
auseinander
fänden sich wieder
und jede sänge
mit dem Wissen
um gegenseitiges Wohlwollen
die ihr eigenen Lieder
Mannheim-Dämmerlauf (09.05.09)
1 Juni 2009
seltsam
dieser Korridor
aus klatschenden Händen
und lachenden Gesichtern…
Gejohle der Menge
das anspornt und verleitet
zu unbedachtem Lauf
die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
ratsam bleibt
aufs eigene zu achten
bald mutieren
im Gespensterlicht des Mondes
die Hafenkräne zu Urzeitvögeln
der breite Strom
wälzt sich gleichgültig und schwarz
die Brücke
die sonst lebt und bebt
unter dem Gedröhn tausender Motoren
so still und so tot…
die Welt besteht
aus einsamem Tappen
ermüdeter Füße
bloß nicht mutlos werden
die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
dir bleibt nur
aufs eigene zu vertrauen

Geschafft!!!
Alptraum
24 Mai 2009
im Traum
da fressen Löwen
Apfelringe
und Wale kotzen Sand
der Priester
der heißt Fidibus
und John Wayne
reicht mir die Hand
ein Rabe
würgt die Würmer aus
und Adolf
kriecht an Land
das ist ein Alptraum hier
Entsetzen übermannt
die Glatzen lachen
„Heuchlerin
der Führer lebt…
das war dir doch bekannt“
sie treten
und sie schlagen mich
Erde riecht verbrannt
„halt die Fresse
dann sind wir stolz auf dich
ein Lager wird nach dir benannt“
ich öffne die Augen
und ahn’ es schon
mit Augen verschließen
kommen wir nicht davon
du malst
30 April 2009
du malst in lichten Farben
und lockst mit zauberischen Worten
es ist leicht sich zu verlieben
Frühlingshafter, du
du räkelst dich
in schwülen Sommernächten
genießt die Kühle deines Lakens
und die Hitze meines Körpers
es ist leicht dich zu begehren
Sonnendurchfluteter, du
du erschaffst tausende von Farben
die Zeit der reifen Trauben
des süßen Weins ist da
ich betrinke mich an dir
allesversprechendes Herbstlaub, du
du malst die Kälte
Schwarz und Grau
dein Kopf, deine Augen sind leer
dein Herz wohl auch
ich zehre hilflos
von Erinnerungen
nun geh…, geh…, Zweifler, du
sorg’ dich nicht
ich sehne träumend
den nächsten Mai herbei
ewiges Licht
29 April 2009
ich will ewig leben
wie Leuchtreklame
die nie erlischt
will immer Neues künden
und Großartiges versprechen
- schamlos
- skrupellos
- neonschrill
ich will ewig leben
als Gloriole einer Stadt
und darf nicht daran denken
wie austauschbar
und schnell vergessen
mich das macht