meine Seele
19 Juli 2008
einst verführte mich
der Klang schöner Worte
er trug meine Seele empor…
und ließ sie fallen!
sie rappelte sich auf
schlich zurück
in den ängstlich pochenden Muskel
- auch Herz genannt
und machte weiter
sie dirigiert Hände und Füße
richtet den Blick auf Gegenwart und Zukunft
- auch Körper und Geist genannt
und macht weiter und weiter
- auch Leben genannt
Träume
13 Juli 2008
allnächtliches Wunder
dieses Reisen ohne Grenzen
ich sitz’ selig und zufrieden
auf sonndurchwärmten Mauern
oder geh’ auf dem Mond spazieren
seh’ die Erde auf schwarzem Samt
wandere durch Grönland und New York…
es gibt keine Unmöglichkeiten
ich reise…
reise durch Zeit und Raum
immer Wertschätzung und Liebe suchend
und mir wird klar
Vergangenheit ist Gegenwart und Zukunft
ein Ort so gut wie der andere
ich durchbreche die alten Muster nicht
bin wohl Kind geblieben… ?
Bild: Friederike Daniels (Übergang - Zustand)
was wiegt ein Wort?
29 Juni 2008
die Bedeutung ist es
die über eines Wortes
Schwere oder Leichtigkeit bestimmt
“Sonnenschein” kommt schwebend daher
“Vernichtung” dagegen erdrückend
die Bedeutung eines Wortes aber
wiegt nicht bei jedem dasselbe
“Lüge” wiegt bei mir 9 1/2 Pfund
bei einem andern vielleicht 5 Gramm
in meiner Gewichteskala
entspräche dies dem Wort
“Fliegenklatsche”
31° im Schatten
31 Mai 2008
mittags um halb drei
sitz’ ich auf dem Balkon
und les’ ein paar Zeilen von Buk
das Wetter ist unglaublich
als könne es sich nicht entscheiden
zwischen Sonne und Regen
graue Luft hängt zwischen Himmel und Erde
ich schau’ die Straße entlang
überall heruntergelassene Rolläden
gut gegen Hitze im einen Fall
gut für frisch geputzte Fenster im andern
ich denk’ an die Anstrengung
die Fensterputzen so mit sich bringt…
ich betrachte die gekühlte Flasche vor mir
Kondenswasser perlt an ihr runter
wie leicht ’s doch so’n Tropfen hat…
ich fühl’ mich schlapp
bestimmt hab’ ich null Blutdruck
in meinem Alter
kriegt man solche Gedanken
ich leg’ die Füße hoch
und les’ ein paar Zeilen von Buk
du hast’s auch nicht leicht gehabt
ehrlich, Buk!
wenn ich so an deine Hämorrhoiden denk’…
Auf dem Dachfirst
18 Mai 2008
In einem von Engeln bewachten Haus
wünschte ich zu leben.
Sie wandelten durch den Garten
hoheitsvoll und bleich
und die Pflanzen neigten sich ihnen zu.
Die mächtigen Engelsflügel
fächelten sanft die Luft
und brächten die Blätter
des Birnbaumes zum Rascheln.
Die Engel teilten mir leise mit,
welcher Dachziegel zu erneuern sei,
wo der Putz bröckelte,
die Feuchtigkeit ins Haus dränge,
die hölzernen Rahmen
der Fenster zu streichen seien.
Solche Sachen eben…
Eine Zeitlang
genösse ich ihre Fürsorge und Wachsamkeit
und dann gingen sie mir auf die Nerven,
weil sie es nicht gerne sähen,
wenn ich untätig herumsäße.
Schließlich sagte ich ihnen,
sie sollten mich in Ruhe lassen.
Das zerstörte die friedliche Atmosphäre,
wir litten alle darunter.
Schmollend hockten sie auf dem Dachfirst.
Das wollte ich nun wieder nicht
und mir täten meine Worte leid.
Ich vermute,
einmal die Woche Engelsbesuch,
das reichte mir…
Ginge das?
Das Gedicht “In der Bibliothek” von Charles Simic,
veröffentlicht von Miroslav B. Dusanic,
inspirierte mich zu diesen Gedanken.
Besten Dank!
ewige Knoten
13 Mai 2008
morgen, Freund
da geht’s uns gut
wir werden
die dunklen Wolken verweisen
im Kastanienblütenregen tanzen
mit den Vögeln um die Wette singen
versiegte Quellen zum Leben erwecken
Sonne und Mond mit Neid erfüllen
morgen, Freund
da geht’s uns gut
wir werden
Knoten in den Sand zeichnen
ewige Knoten
solche
ohne Anfang und ohne Ende
voller Trotz
und wohl wissend
wie schnell sie vergehen
Familienfeier
26 April 2008
er blickt
über seine Herde
der greise Patriarch
die Jungen
sie
lachen
trinken
reden
atmen
und wenn sie’s ihm gleichtun
dann atmen sie in 6 Jahrzehnten noch
und reden
trinken
lachen
aber vielleicht wird dann
auch auf ihren Gesichtern
ein Hauch von Wehmut liegen
heimlich
heimlich
weint er einige Tränen
unbemerkt
(fast)
Auf der Schulbank!
25 April 2008
“De-Eskalation
in Kundengesprächen”
das heißt:
beleidigen lassen
und dabei unbeeindruckt bleiben
der Vorteil?
: Zeitersparnis!
da kommt doch
so eine blöde Kuh daher
fragt:
“… und wo, bitte,
bleibt da die Selbstachtung?”
: Soll sie sie doch
- zusammen mit den Beleidigungen -
am Arsch lecken!
saumselig
20 April 2008
säumig
und darüber selig sein
träge
langsam
und darüber selig sein
vor langer Zeit schon
verließ sie mich
die Saumseligkeit
sie zuckte resigniert
mit den Schultern
wandte mir träge
noch einmal ihr Gesicht zu
und ging langsam davon




