Verschwörung

12 Oktober 2009

da sitzt du nun
… im Rollstuhl
klaubst unsichtbare
Fusseln
von Jacke und Hose

sind dies die Fäden
der Erinnerung?
waren sie einst Naht
die deine und meine
Welt verband?

behutsam und
verschwörerisch
legst du mir den Schatz
in beide Hände
niemand wird ihn
je erblicken
das versprech’ ich dir!

Dämmerung

6 Oktober 2009

so gegen 12 Uhr mittags
verflüchtigte sich sein Verstand

nun gleichen seine Worte
verwelkten Blumen
gebunden zu einem
derben Strauß

ratlos forscht mein Blick
in den Krümeln
zerfallender Blüten und Blätter
vergebliche Suche nach Spuren
der Wiesenblume, Nelke oder Rose…
Herbstwind
treibt die dürren Reste
hin zur abendlichen Dämmerung

doch manchmal
durchbricht das flehende
Flackern seiner Augen
die nahende Dunkelheit

und das ist das Schlimmste!

er mustert mich

20 August 2009

gelangweilt blättert
Petrus im „Himmelsboten“
er lümmelt auf einem Barhocker
trägt Latzhosen und sieht aus
wie James Dean

er mustert mich
so von schräg unten

P: Was willst’n hier?
ich: Anklopfen halt…

er tippt auf den Zettel an der Pforte
„Geschlossene Gesellschaft!“

P: Kriegsveteranen unter sich…
hast dort nix zu suchen.
ich: Weltkrieg oder Vietnam?
P: Waterloo!
… Napoleon, Blücher – und was weiß ich…

er mustert mich
so von schräg unten

P: Kannst zu ‘ner andern Fete kommen,
Joplin, Hendrix… auch der Lennon ist dabei…

ich will mich neben den Türpfosten setzen

P: Schwirr ab!
Kannst hier nicht rumhängen.
Party steigt am 11.04.36.
Komm bloß nicht vor zehn -
abends – wohlbemerkt… Küken, du…

hoffentlich vergess’ ich die Uhrzeit nicht

Hand in Hand

4 Juli 2009

14. Dalai Lama + 17. Karmapa

14. Dalai Lama + 17. Karmapa

Bild von Stefanie Bechert + Prof. Dr. Rudolf Hauber (c)

als flögen
zwei Schwalben
auseinander
fänden sich wieder
und jede sänge
mit dem Wissen
um gegenseitiges Wohlwollen
die ihr eigenen Lieder

seltsam
dieser Korridor
aus klatschenden Händen
und lachenden Gesichtern…
Gejohle der Menge
das anspornt und verleitet
zu unbedachtem Lauf

die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
ratsam bleibt
aufs eigene zu achten

bald mutieren
im Gespensterlicht des Mondes
die Hafenkräne zu Urzeitvögeln
der breite Strom
wälzt sich gleichgültig und schwarz
die Brücke
die sonst lebt und bebt
unter dem Gedröhn tausender Motoren
so still und so tot…
die Welt besteht
aus einsamem Tappen
ermüdeter Füße

bloß nicht mutlos werden
die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
dir bleibt nur
aufs eigene zu vertrauen

Team-Marathon2009

Geschafft!!!

Alptraum

24 Mai 2009

im Traum

da fressen Löwen
Apfelringe
und Wale kotzen Sand
der Priester
der heißt Fidibus
und John Wayne
reicht mir die Hand
ein Rabe
würgt die Würmer aus
und Adolf
kriecht an Land
das ist ein Alptraum hier
Entsetzen übermannt

die Glatzen lachen
„Heuchlerin
der Führer lebt…
das war dir doch bekannt“
sie treten
und sie schlagen mich
Erde riecht verbrannt
„halt die Fresse
dann sind wir stolz auf dich
ein Lager wird nach dir benannt“

ich öffne die Augen
und ahn’ es schon
mit Augen verschließen
kommen wir nicht davon

du malst

30 April 2009

du malst in lichten Farben
und lockst mit zauberischen Worten
es ist leicht sich zu verlieben
Frühlingshafter, du

du räkelst dich
in schwülen Sommernächten
genießt die Kühle deines Lakens
und die Hitze meines Körpers
es ist leicht dich zu begehren
Sonnendurchfluteter, du

du erschaffst tausende von Farben
die Zeit der reifen Trauben
des süßen Weins ist da
ich betrinke mich an dir
allesversprechendes Herbstlaub, du

du malst die Kälte
Schwarz und Grau
dein Kopf, deine Augen sind leer
dein Herz wohl auch
ich zehre hilflos
von Erinnerungen
nun geh…, geh…, Zweifler, du
sorg’ dich nicht
ich sehne träumend
den nächsten Mai herbei

ewiges Licht

29 April 2009

ich will ewig leben
wie Leuchtreklame
die nie erlischt
will immer Neues künden
und Großartiges versprechen
- schamlos
- skrupellos
- neonschrill

ich will ewig leben
als Gloriole einer Stadt
und darf nicht daran denken
wie austauschbar
und schnell vergessen
mich das macht

Wer kennt Neruda?

21 März 2009

ich ernte nur Fragen:
- den Kämpfer gegen die Apartheid?
- den begnadeten Geiger?
- den im Packeis verschollenen Wissenschaftler?
- den erstaunlichen Langläufer?
- den unfähigen Minister?
- den umschwärmten Bollywood-Star?

wenn ich frage:
Wer kennt Neruda?
machen sich meine Worte
manchmal so zart
wie die Spuren der Möwen auf dem Strand

„mis palabras
se adelgazan a veces
como las huellas de las gaviotas en las playas“
Pablo Neruda

im Gasthaus

14 Februar 2009

V o r s p e i s e :
der Herr bestellte
für sich und die Dame
Austern
- lauthals selbstverständlich –

H a u p t s p e i s e :
der Herr verkündete
er wolle den Fisch gebraten
ohne einen einzigen Tropfen Öl
selbstverständlich
die Dame wollte ebenfalls den „Fich“
ohne ein einziges Kartöffelchen
selbstverständlich

ich saß drei Tische weiter
bei Wein und Sudoku
den N a c h t i s c h
verpasste ich
selbstverständlich