Pablo Neruda (in memoriam II)
26 Mai 2008
“Du schmiegtest dich ans Leid, klammertest dich an Sehnsucht,
die Schwermut riß dich nieder, alles in dir war Schiffbruch!”
“Te ceniste al dolor, te agarraste al deseo,
te tumbó la tristeza, todo en ti fue naufragio!”
aus: Das Lied der Verzweiflung - La canción desesperada
Pablo Neruda
Du glaubst nicht an sichere Häfen, nur an Geburt und Tod,
dazwischen die Wellen, auftürmend oder sanft.
Zerborsten sind Gewissheiten, in tausend Stücke,
der Anker, der Halt versprach, nichts als Ballast.
Lass sie treiben, die Planken, die Masten,
auf den Wellen tanzen, ein Weilchen noch.
Unwissende werden die stummen Reste finden,
neu zusammenfügen, zu Tisch und Stuhl oder Geschichten.
Sonnengedörrtes Treibholz, es wird aufgesammelt
und erfrorenen Herzen etwas Wärme spenden.
Alles in dir war Schiffbruch, es gibt kein Schiff mehr!
Setz’ die Mütze ab, Kapitän! Es gibt nur noch dich!
Karl Heinrich Marx (in memoriam)
6 Mai 2008
Hilde Domin (in memoriam)
28 April 2008
Unaufhaltsam (Hilde Domin)
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
*27. Juli 1909, Köln
+ 22. Februar 2006, Heidelberg
Jüdische Lyrikerin
Piece of my Heart
30 März 2008
Capitol, Mannheim, 29. März 2008
Eine Hommage an Janis Joplin
Marion La Marché lebte und sang die kurze Lebensgeschichte von Janis!: “Oh lord, won’t you buy me another fucking drink…”
Unbedingt erlebenswert: Marion La Marché und Band
mehr unter: http://www.janisjoplin-show.de/
(siehe auch: “me and Bobby Mc Gee” 9. März 2008 - Gedichte)
Bertolt Brecht (in memoriam)
16 Februar 2008
Nachträglich zum 110. Geburtstag.

Ich, Bertold Brecht, bin aus den
schwarzen Wäldern.
Meine Mutter trug mich in die
Städte hinein.
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die
Kälte der Wälder
wird in mir bis zu meinem Ab-
sterben sein.
Aus: Vom armen B. B.
Ich glaube von jedem Menschen
das Schlechteste, selbst von mir -
und ich habe mich noch selten
getäuscht. 1931
Deutscher Dramatiker und Lyriker
* 10.02.1898 Augsburg
+ 14.08.1956 Berlin
Charles Bukowski (in memoriam II)
2 Februar 2008

Hey Buk,
die Zeitungsleute berichten mal wieder!
Okay… über Dich!
: “Der Mythos vom
rabiaten, kraftmeierischen
Säufer und Dropout,
hat zeitlebens den Blick
auf sein Werk
und dessen warmherzige,
melancholische Grundierung
verstellt.”
Seufzt Du nachdenklich?
Grinst Du zufrieden?
Ruf’ doch den Dich-Kennern zu:
“Lest VON - nicht ÜBER - Buk!”
(21 Wörter zitiert aus: Frankfurter Rundschau, 29.01.08
Titel: “Verzweifelt am Leben”)
Rose Ausländer (in memoriam)
18 Januar 2008

Wir werden uns wiederfinden
im See
du als Wasser
ich als Lotusblume
Du wirst mich tragen
ich werde dich trinken
Wir werden uns angehören
vor aller Augen
Sogar die Sterne
werden sich wundern:
hier haben sich zwei
zurückverwandelt
in ihren Traum
der sie erwählte. (Rose Ausländer)
deutschsprachige jüdische Lyrikerin
* 11.05.1901 Czernowitz, Österreich-Ungarn
+ 03.01.1988 Düsseldorf
D. H. Lawrence (in memoriam)
16 Dezember 2007

Immorality
It is only immoral
to be dead-alive,
sun-extinct
and busy putting out the sun
in other people.
Immoralität
Unmoralisch ist nur,
lebendig tot zu sein,
sonnen-erloschen,
und eifrig bemüht, die Sonne
auch in anderen auszulöschen.
Englischer Schriftsteller
* 11.09.1885 Eastwood/Nottingham
+ 02.03.1930 Vence, Frankreich
Erich Fried (in memoriam)
2 September 2007

Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Österreichischer Lyriker, Übersetzer, Essayist
* 6. Mai 1921 Wien
+ 22. November 1988 Baden-Baden
Fjodor Michailovic Dostojewski (in memoriam)
11 Juli 2007

Mein Bruder, ich bin nicht niedergeschlagen, ich habe
den Mut nicht verloren. Das Leben ist überall das
Leben, das Leben ist in uns und nicht in der Welt, die
uns umgibt. In meiner Nähe werden Menschen sein,
und ein Mensch zwischen Menschen zu sein und
immer zu bleiben, unter welchen Umständen auch
immer, nicht schwach zu werden, nicht zu fallen, das
ist das Leben, das ist der wirkliche Sinn des Lebens.
Ich habe ihn verstanden. Diese Idee ist mir in Fleisch
und Blut übergegangen…
* 30. Okt./11. Nov. 1821 in Moskau
+ 28. Jan./9. Febr. 1881 in Sankt Petersburg


