Herz un Schmerz

In meine Gedichte
kummt des Wort
H e r z
arig oft vor.
Des is,
liderarisch gsieh’,
gar net gut for
die Qualidät.
Awer wann ich
die Wohret saa
will -
un for was sunscht
soll’n Gedichte
dann gut sei -
kumm ich um denne
Kerperdääl
ääfach net rum. (Susanne Faschon)

* 03.05.1925 Kaiserslautern
+ 25.10.1995 Jakobsweiler, Donnersberg

nachträglich zum 20. Todestag

1erichfried

Wenn ich leben will

Wenn ich leben will
muß ich atmen -
atembare Luft

Wenn ich leben will
muß ich essen -
eßbares Essen

Wenn ich leben will
muß ich trinken -
trinkbares Wasser

Wenn ich leben will
muß ich wachen und schlafen -
nicht nur schlafen

Wenn ich leben will
muß ich mich selbst und andere lieben -
und gegen Krieg sein

Erich Fried
österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist
*06. 05.1921 Wien
+ 22.11.1988 Baden-Baden

„Gastfreundlich wie ein alter Weg.
Dich bevölkern Echos und Stimmen der Sehnsucht.“

„Acogedora como un viejo camino.
Te pueblan ecos y voces nostálgicas.“

aus: 20 Liebesgedichte – 20 poemas de amor

mosaik22

die Stimmen der Sehnsucht
einzementiert
eingeschlossen
in ein mosaikenes Kunstwerk
stummes Erinnern
meine Schritte verhallen
ungehört…………

die alte, weise Eule
nickt mir ruhig zu
schließt und öffnet ihre Scheibenaugen
ich entsende
ein frohes Lächeln

Klabund (in memoriam)

21 August 2008

Klabund:

Was wollen die großen Worte?
Sie rollen wie ein Kiesel klein
Am Weg, an der Straßenborte
In den Morgen hinein

Sie hängen in manchem Baume
Wie Früchte halbgereift.
Sie haben von manchem Traume
Den zarten Puder gestreift

Sie schmecken wie Galle, so bitter.
So spei sie aus dem Spiel!
Sie sitzen im Fleisch wie Splitter.
Ein Wort ist schon zuviel.

Klabund, eigentlich: Alfred Henschke
* 1890 Crossen an der Oder
+ 1928 Davos

„Du schmiegtest dich ans Leid, klammertest dich an Sehnsucht,
die Schwermut riß dich nieder, alles in dir war Schiffbruch!“

„Te ceniste al dolor, te agarraste al deseo,
te tumbó la tristeza, todo en ti fue naufragio!“

aus: Das Lied der Verzweiflung – La canción desesperada
Pablo Neruda

Du glaubst nicht an sichere Häfen, nur an Geburt und Tod,
dazwischen die Wellen, auftürmend oder sanft.

Zerborsten sind Gewissheiten, in tausend Stücke,
der Anker, der Halt versprach, nichts als Ballast.

Lass sie treiben, die Planken, die Masten,
auf den Wellen tanzen, ein Weilchen noch.

Unwissende werden die stummen Reste finden,
neu zusammenfügen, zu Tisch und Stuhl oder Geschichten.

Sonnengedörrtes Treibholz, es wird aufgesammelt
und erfrorenen Herzen etwas Wärme spenden.

Alles in dir war Schiffbruch, es gibt kein Schiff mehr!
Setz’ die Mütze ab, Kapitän! Es gibt nur noch dich!

Nachträglich zum 190. Geburtstag.

„… alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

* 05. Mai 1818, Trier
+ 14. März 1883, London
Philosoph, Kritiker des Kapitalismus

Unaufhaltsam (Hilde Domin)

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?

Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

*27. Juli 1909, Köln
+ 22. Februar 2006, Heidelberg
Jüdische Lyrikerin

Piece of my Heart

30 März 2008

Capitol, Mannheim, 29. März 2008
Eine Hommage an Janis Joplin
Marion La Marché lebte und sang die kurze Lebensgeschichte von Janis!: „Oh lord, won’t you buy me another fucking drink…“
Unbedingt erlebenswert: Marion La Marché und Band
mehr unter: http://www.janisjoplin-show.de/
(siehe auch: „me and Bobby Mc Gee“ 9. März 2008 – Gedichte)

Nachträglich zum 110. Geburtstag.

http://www.northcoastjournal.com/022306/STAGE-bertolt_brecht4.jpg

Ich, Bertold Brecht, bin aus den
schwarzen Wäldern.
Meine Mutter trug mich in die
Städte hinein.
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die
Kälte der Wälder
wird in mir bis zu meinem Ab-
sterben sein.
Aus: Vom armen B. B.

Ich glaube von jedem Menschen
das Schlechteste, selbst von mir -
und ich habe mich noch selten
getäuscht. 1931

Deutscher Dramatiker und Lyriker
* 10.02.1898 Augsburg
+ 14.08.1956 Berlin

buk131207_apa3084.jpg

Hey Buk,

die Zeitungsleute berichten mal wieder!
Okay… über Dich!
: „Der Mythos vom
rabiaten, kraftmeierischen
Säufer und Dropout,
hat zeitlebens den Blick
auf sein Werk
und dessen warmherzige,
melancholische Grundierung
verstellt.“
Seufzt Du nachdenklich?
Grinst Du zufrieden?
Ruf’ doch den Dich-Kennern zu:
„Lest VON – nicht ÜBER – Buk!“

(21 Wörter zitiert aus: Frankfurter Rundschau, 29.01.08
Titel: „Verzweifelt am Leben“)