Susanne Faschon (in memoriam)
17 Januar 2009
Herz un Schmerz
In meine Gedichte
kummt des Wort
H e r z
arig oft vor.
Des is,
liderarisch gsieh’,
gar net gut for
die Qualidät.
Awer wann ich
die Wohret saa
will -
un for was sunscht
soll’n Gedichte
dann gut sei -
kumm ich um denne
Kerperdääl
ääfach net rum. (Susanne Faschon)
* 03.05.1925 Kaiserslautern
+ 25.10.1995 Jakobsweiler, Donnersberg
Erich Fried (in memoriam II)
24 November 2008
nachträglich zum 20. Todestag
Wenn ich leben will
Wenn ich leben will
muß ich atmen -
atembare Luft
Wenn ich leben will
muß ich essen -
eßbares Essen
Wenn ich leben will
muß ich trinken -
trinkbares Wasser
Wenn ich leben will
muß ich wachen und schlafen -
nicht nur schlafen
Wenn ich leben will
muß ich mich selbst und andere lieben -
und gegen Krieg sein
Erich Fried
österreichischer Lyriker, Übersetzer und Essayist
*06. 05.1921 Wien
+ 22.11.1988 Baden-Baden
Pablo Neruda (in memoriam III)
6 November 2008
„Gastfreundlich wie ein alter Weg.
Dich bevölkern Echos und Stimmen der Sehnsucht.“
„Acogedora como un viejo camino.
Te pueblan ecos y voces nostálgicas.“
aus: 20 Liebesgedichte – 20 poemas de amor

die Stimmen der Sehnsucht
einzementiert
eingeschlossen
in ein mosaikenes Kunstwerk
stummes Erinnern
meine Schritte verhallen
ungehört…………
die alte, weise Eule
nickt mir ruhig zu
schließt und öffnet ihre Scheibenaugen
ich entsende
ein frohes Lächeln
Klabund (in memoriam)
21 August 2008
Klabund:
Was wollen die großen Worte?
Sie rollen wie ein Kiesel klein
Am Weg, an der Straßenborte
In den Morgen hinein
Sie hängen in manchem Baume
Wie Früchte halbgereift.
Sie haben von manchem Traume
Den zarten Puder gestreift
Sie schmecken wie Galle, so bitter.
So spei sie aus dem Spiel!
Sie sitzen im Fleisch wie Splitter.
Ein Wort ist schon zuviel.
Klabund, eigentlich: Alfred Henschke
* 1890 Crossen an der Oder
+ 1928 Davos
Pablo Neruda (in memoriam II)
26 Mai 2008
„Du schmiegtest dich ans Leid, klammertest dich an Sehnsucht,
die Schwermut riß dich nieder, alles in dir war Schiffbruch!“
„Te ceniste al dolor, te agarraste al deseo,
te tumbó la tristeza, todo en ti fue naufragio!“
aus: Das Lied der Verzweiflung – La canción desesperada
Pablo Neruda
Du glaubst nicht an sichere Häfen, nur an Geburt und Tod,
dazwischen die Wellen, auftürmend oder sanft.
Zerborsten sind Gewissheiten, in tausend Stücke,
der Anker, der Halt versprach, nichts als Ballast.
Lass sie treiben, die Planken, die Masten,
auf den Wellen tanzen, ein Weilchen noch.
Unwissende werden die stummen Reste finden,
neu zusammenfügen, zu Tisch und Stuhl oder Geschichten.
Sonnengedörrtes Treibholz, es wird aufgesammelt
und erfrorenen Herzen etwas Wärme spenden.
Alles in dir war Schiffbruch, es gibt kein Schiff mehr!
Setz’ die Mütze ab, Kapitän! Es gibt nur noch dich!
Karl Heinrich Marx (in memoriam)
6 Mai 2008
Hilde Domin (in memoriam)
28 April 2008
Unaufhaltsam (Hilde Domin)
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
*27. Juli 1909, Köln
+ 22. Februar 2006, Heidelberg
Jüdische Lyrikerin
Piece of my Heart
30 März 2008
Capitol, Mannheim, 29. März 2008
Eine Hommage an Janis Joplin
Marion La Marché lebte und sang die kurze Lebensgeschichte von Janis!: „Oh lord, won’t you buy me another fucking drink…“
Unbedingt erlebenswert: Marion La Marché und Band
mehr unter: http://www.janisjoplin-show.de/
(siehe auch: „me and Bobby Mc Gee“ 9. März 2008 – Gedichte)
Bertolt Brecht (in memoriam)
16 Februar 2008
Nachträglich zum 110. Geburtstag.

Ich, Bertold Brecht, bin aus den
schwarzen Wäldern.
Meine Mutter trug mich in die
Städte hinein.
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die
Kälte der Wälder
wird in mir bis zu meinem Ab-
sterben sein.
Aus: Vom armen B. B.
Ich glaube von jedem Menschen
das Schlechteste, selbst von mir -
und ich habe mich noch selten
getäuscht. 1931
Deutscher Dramatiker und Lyriker
* 10.02.1898 Augsburg
+ 14.08.1956 Berlin
Charles Bukowski (in memoriam II)
2 Februar 2008

Hey Buk,
die Zeitungsleute berichten mal wieder!
Okay… über Dich!
: „Der Mythos vom
rabiaten, kraftmeierischen
Säufer und Dropout,
hat zeitlebens den Blick
auf sein Werk
und dessen warmherzige,
melancholische Grundierung
verstellt.“
Seufzt Du nachdenklich?
Grinst Du zufrieden?
Ruf’ doch den Dich-Kennern zu:
„Lest VON – nicht ÜBER – Buk!“
(21 Wörter zitiert aus: Frankfurter Rundschau, 29.01.08
Titel: „Verzweifelt am Leben“)




