Hilde Domin (in memoriam)
28 April 2008
Unaufhaltsam (Hilde Domin)
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
*27. Juli 1909, Köln
+ 22. Februar 2006, Heidelberg
Jüdische Lyrikerin

30 April 2008 um 3:16
Was für ein bezauberndes Photo. Sehe ich das richtig, daß das eine Aufforderung zum Lesen sein soll?
30 April 2008 um 7:01
Während ihrer letzten Lebensjahre wurde Hilde Domin von einer jungen Regisseurin begleitet, und so gibt es einen Film über sie: “Ich will dich”. Ja, sie war tatsächlich bezaubernd!
P. S.: Das Photo soll Dich jedenfalls nicht vom Lesen abhalten, lieber Björn.
1 Mai 2008 um 5:18
Grade einen Schwung Liebeslyrik von ihr im Netz gefunden. Werde mich mal durchlesen.
1 Mai 2008 um 7:57
Auch ihre Exil-Gedichte sind absolut erstklassige Texte: für Lyrik-Liebhaber
werde ich zwei, drei Texte in meinem Blog veröffentlichen…
LG
@miro
18 Juni 2008 um 10:26
Als ich gelesen habe, dass es einen Film über Hilde Domin gibt, habe ich mich sofort an meine Schulzeit und den Deutschunterricht erinnert.
Wir haben eine Klassenarbeit (Interpretation)über ihr Gedicht ” Unaufhaltsam ” geschrieben.
Ich fand dieses Gedicht - und meine Interpretation - ich hatte eine 2 - soooo toll, dass ich es nie vergessen habe. Wohl aber den genauen Wortlaut.
Als ich nun von dem Film las, habe ich mich erinnert und Hilde Domin in google eingegeben.
Und siehe da - welch riesige Freude - ich habe mein Lieblingsgedicht ” Unaufhaltsam ” gefunden.
Ich weiss nicht, ob jemand meine mail liest und ob es den Leser überhaupt interessiert, aber es war mir ein Bedürfnis, diese Zeilen zu schreiben.