Hand in Hand
4 Juli 2009

14. Dalai Lama + 17. Karmapa
Bild von Stefanie Bechert + Prof. Dr. Rudolf Hauber
als flögen
zwei Schwalben
auseinander
fänden sich wieder
und jede sänge
mit dem Wissen
ums gegenseitige Wohlwollen
die ihr eigenen Lieder
Harry XIII
11 Juni 2009

schneller
als man denkt
gibt es kein Zurück
und man fühlt sich
wie ein Schaf
das ein Rudel Wölfe
von seiner Herde trennt
Wehmütig faselt Harry
diese Litanei.
Harry geht durch die Hölle!
Er wurde ausgeschlossen
aus der
“Allianz der Unwiderstehlichen”.
(Seine Nasobialfalten konnten
beim besten Willen nicht mehr
toleriert werden.)
Harry nannte mich: “Dummes Schaf!”
Ich hatte wissen wollen:
“Wer sind die Schafe?
Und wer sind die Wölfe?”
Mannheim-Dämmerlauf (09.05.09)
1 Juni 2009
seltsam
dieser Korridor
aus klatschenden Händen
und lachenden Gesichtern…
Gejohle der Menge
das anspornt und verleitet
zu unbedachtem Lauf
die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
ratsam bleibt
aufs eigene zu achten
bald mutieren
im Gespensterlicht des Mondes
die Hafenkräne zu Urzeitvögeln
der breite Strom
wälzt sich gleichgültig und schwarz
die Brücke
die sonst lebt und bebt
unter dem Gedröhn tausender Motoren
so still und so tot…
die Welt besteht
aus einsamem Tappen
ermüdeter Füße
bloß nicht mutlos werden
die Herzen der andern
schlagen schnell oder langsam
wer weiß das schon
dir bleibt nur
aufs eigene zu vertrauen

Geschafft!!!
Alptraum
24 Mai 2009
im Traum
da fressen Löwen
Apfelringe
und Wale kotzen Sand
der Priester
der heißt Fidibus
und John Wayne
reicht mir die Hand
ein Rabe
würgt die Würmer aus
und Adolf
kriecht an Land
das ist ein Alptraum hier
Entsetzen übermannt
die Glatzen lachen
“Heuchlerin
der Führer lebt…
das war dir doch bekannt”
sie treten
und sie schlagen mich
Erde riecht verbrannt
“halt die Fresse
dann sind wir stolz auf dich
ein Lager wird nach dir benannt”
ich öffne die Augen
und ahn’ es schon
mit Augen verschließen
kommen wir nicht davon
du malst
30 April 2009
du malst in lichten Farben
und lockst mit zauberischen Worten
es ist leicht sich zu verlieben
Frühlingshafter, du
du räkelst dich
in schwülen Sommernächten
genießt die Kühle deines Lakens
und die Hitze meines Körpers
es ist leicht dich zu begehren
Sonnendurchfluteter, du
du erschaffst tausende von Farben
die Zeit der reifen Trauben
des süßen Weins ist da
ich betrinke mich an dir
allesversprechendes Herbstlaub, du
du malst die Kälte
Schwarz und Grau
dein Kopf, deine Augen sind leer
dein Herz wohl auch
ich zehre hilflos
von Erinnerungen
nun geh…, geh…, Zweifler, du
sorg’ dich nicht
ich sehne träumend
den nächsten Mai herbei
ewiges Licht
29 April 2009
ich will ewig leben
wie Leuchtreklame
die nie erlischt
will immer Neues künden
und Großartiges versprechen
- schamlos
- skrupellos
- neonschrill
ich will ewig leben
als Gloriole einer Stadt
und darf nicht daran denken
wie austauschbar
und schnell vergessen
mich das macht
Wer kennt Neruda?
21 März 2009
ich ernte nur Fragen:
- den Kämpfer gegen die Apartheid?
- den begnadeten Geiger?
- den im Packeis verschollenen Wissenschaftler?
- den erstaunlichen Langläufer?
- den unfähigen Minister?
- den umschwärmten Bollywood-Star?
wenn ich frage:
Wer kennt Neruda?
machen sich meine Worte
manchmal so zart
wie die Spuren der Möwen auf dem Strand
“mis palabras
se adelgazan a veces
como las huellas de las gaviotas en las playas”
Pablo Neruda
Harry XII
8 März 2009
Harry wirkte nachdenklich.
Schließlich teilte er das
Ergebnis seiner Grübelei mit:
Auch der tollste Karikaturist
kann mich nicht zeichnen!
Mein Körper: – (elende Kunstpause) – wohlproportioniert!!!
Body Mass Index: – (elende Kunstpause) – 24!!!
Meine Gesichtszüge: – (elende Kunstpause) – absolut ebenmäßig!!!
Sag’ mir, was kann ein Karikaturist
hervorheben, wenn alles perfekt ist?
Woran kann sich so ein armer Teufel da noch klammern?
Er sieht nur Leere, weil es nichts zu zeichnen gibt…
Harrys selbstverliebter Monolog
ödete mich an.
Also beendete ich ihn:
Wieso denkst Du,
man muss Dich zeichnen wollen,
damit man nur Leere sieht… ?”
Nun ja… der Rest des Abends verlief
nicht gerade harmonisch…
Harry XI – Kultur am Rosenmontag
23 Februar 2009

Museumsführer:
“… sein Vater
nagelte eine (tote) Taube an die Wand
und Picasso
musste sie zeichnen…
da war er 13… “
Harry, kunstbeflissen:
“Jetzt ist alles klar…
dermaßen traumatisiert
konnte er ja bloß noch
schräges Zeug zustande bringen… “
Harry’s Narrenhut sorgte
für nachsichtige Blicke.
Es wusste ja niemand,
dass er ihn immer trägt…
irgendwie.