vum Schnee-Tief Daisy

8 Januar 2010

dummel disch
un kumm schnell roi
doi Händ sin kalt
du riescht noch Schnee

zieh disch aus
un setz disch hie
die Supp die wärmt
un schmeckt ganz foi

du fahzelscht
vum Wind vum Norde
vum viele Schnee
der kumme soll

isch sag zu dir
mer warte ab
dess wer ma seh
un dodebei
fräh isch misch rischdisch
uff den viele Schnee

7 Dezember 2009

der Tod trug Leggins
und sie lachten über ihn
über ihn und seine Sense
die er voller Inbrunst schwang

sie fühlten sich sicher
so weit weg von ihm
und sie lachten sich krumm
und sie lachten sich schief

und bemerkten nicht
wie gefährlich nah
seine Sense eben noch
die Luft durchschnitt…

ein Engel
ein Engel mit schwarzen Flügeln
schwebte über der A 65
und ließ sich nieder
neben dem Brückenpfeiler
neben dem Klumpen aus Blech
neben den darin gefangenen Leibern

der Engel beweinte
die Toten
und auch die Sinnlosigkeit
schließlich erhob er sich
seine Flügel waren schwer

in memoriam G. A. 1968 – 2009

29 November 2009

Kinder
angstgelähmt
Kinder
umstellt
von unbegriffenen Schreckenszeichen

Kinder
der Muttersprache beraubt
verlassen in der Ohnmacht
flehender Gesten

Kinder
brandbefleckte Gesichter
das Weiß der Verbände
kleidet
braune Nacktheit

Kinder
vor großen
Augen
neigt sich
der
Todesengel
Kyrie eleison

(Horst Meixner)
.

Gegen Null

Das Senkblei
der Schwermut
findet
keinen Grund

Davor
Und danach
verloren
in leere Gegenwart

Schwarze Wände
bleiben
ohne
Echo

(Horst Meixner)
.

Aufhellung

die schwarze Wand
weicht zurück

Lichtsignale
in Traumtunneln
der Weg
übers Tränengestein

Hände tasten
nach wehenden Schleiern

Atemnähe

an toten Zweigen
funkeln Kristalle

die Stille
Echo
einer fernen Musik

(Horst Meixner)

Verschwörung

12 Oktober 2009

da sitzt du nun
… im Rollstuhl
klaubst unsichtbare
Fusseln
von Jacke und Hose

sind dies die Fäden
der Erinnerung?
waren sie einst Naht
die deine und meine
Welt verband?

behutsam und
verschwörerisch
legst du mir den Schatz
in beide Hände
niemand wird ihn
je erblicken
das versprech’ ich dir!

Dämmerung

6 Oktober 2009

so gegen 12 Uhr mittags
verflüchtigte sich sein Verstand

nun gleichen seine Worte
verwelkten Blumen
gebunden zu einem
derben Strauß

ratlos forscht mein Blick
in den Krümeln
zerfallender Blüten und Blätter
vergebliche Suche nach Spuren
der Wiesenblume, Nelke oder Rose…
Herbstwind
treibt die dürren Reste
hin zur abendlichen Dämmerung

doch manchmal
durchbricht das flehende
Flackern seiner Augen
die nahende Dunkelheit

und das ist das Schlimmste!

2 Oktober 2009

wie wir uns doch
ans Leben klammern…
erst an dieses
dann ans nächste

es war einmal…

7 September 2009

Kommt mit!
Etwas Besseres als den Tod
findet ihr überall.

Der Esel weiß mal wieder nicht,
dass wir ihn pflegen…,
knurrte der Hund.

… schon Pflegestufe III hat…,
seufzte die Katze.

… an hochgradiger Demenz leidet…,
krächzte der Hahn.

… und wenn er nicht stirbt…
er uns weiterhin den Tag verdirbt,
grölten sie im Chor.

punktgenau

30 August 2009

unter der Vielzahl
von Wörtern
die wenigen finden
die die richtigen sind

er mustert mich

20 August 2009

gelangweilt blättert
Petrus im “Himmelsboten”
er lümmelt auf einem Barhocker
trägt Latzhosen und sieht aus
wie James Dean

er mustert mich
so von schräg unten

P: Was willst’n hier?
ich: Anklopfen halt…

er tippt auf den Zettel an der Pforte
“Geschlossene Gesellschaft!”

P: Kriegsveteranen unter sich…
hast dort nix zu suchen.
ich: Weltkrieg oder Vietnam?
P: Waterloo!
… Napoleon, Blücher – und was weiß ich…

er mustert mich
so von schräg unten

P: Kannst zu ‘ner andern Fete kommen,
Joplin, Hendrix… auch der Lennon ist dabei…

ich will mich neben den Türpfosten setzen

P: Schwirr ab!
Kannst hier nicht rumhängen.
Party steigt am 11.04.36.
Komm bloß nicht vor zehn -
abends – wohlbemerkt… Küken, du…

hoffentlich vergess’ ich die Uhrzeit nicht