Pablo Neruda (in memoriam IV)
24 Januar 2012
„Zwischen Lippe und Stimme stirbt etwas dahin.
Etwas mit Vogelflügeln, etwas aus Angst und Vergessen.“
„Entre los labios y la voz, algo se va muriendo.
Algo con alas de pájaro, algo de angustia y de olvido.“
aus: 20 Liebesgedichte – 20 poemas de amor
Zwischen banger Erwartung und Erkenntnis starb etwas dahin.
Etwas mit Krallen, etwas aus Hilflosigkeit und Panik.
So, wie es in Gräbern keine Hoffnung gibt,
so ist deine Gestalt eingehüllt in eine Seifenblase.
Sie schwebt davon über Bäume und Dächer.
Stumme Worte bedecken den Boden zu meinen Füßen.
Kein-Blatt-Baum
7 Dezember 2011
in furiosem Tempo
holt der Herbst mich ein
rüttelt letzte Blätter
von dürren Armen und Fingern
und ach…
so soll es denn sein
einmal nackt
einmal schutzlos dastehen können
kein Hervorbringenwollen
und kein Festhaltenmüssen
so soll es denn sein…!
Herbst
9 Oktober 2011
Steine – klein und bunt
sie fallen
bei jedem jadeäugigen Lächeln
in mein offenes Herz
erzeugen Wellen
kreisrund… unbegrenzt
wie ein Kamel
25 Juli 2011
wenn das Herz
in den Schädel steigt
dann kriecht das
Gehirn in den Brustkorb
Herz und Hirn
zählen dann
die Atemzüge pro Stunde
pro Tag und pro Nacht
pro Monat und pro Jahr
und fühlen sich schließlich
entwurzelt und elend
wie ein Kamel in
der Eiswüste
nur mit halbem Herzen leben
bedeutet nicht
irgendwann
mit der anderen Hälfte
weiterleben zu können
wer nicht das Herz hat
ein Herz zu haben
weiß irgendwann nicht mehr
ob er noch ein Herz hat


