Karl Heinrich Marx (in memoriam)
6 Mai 2008
Hilde Domin (in memoriam)
28 April 2008
Unaufhaltsam
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinem Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
*27. Juli 1909, Köln
+ 22. Februar 2006, Heidelberg
Jüdische Lyrikerin
Familienfeier
26 April 2008
er blickt
über seine Herde
der greise Patriarch
die Jungen
sie
lachen
trinken
reden
atmen
und wenn sie’s ihm gleichtun
dann atmen sie in 6 Jahrzehnten noch
und reden
trinken
lachen
aber vielleicht wird dann
auch auf ihren Gesichtern
ein Hauch von Wehmut liegen
heimlich
heimlich
weint er einige Tränen
unbemerkt
(fast)
Auf der Schulbank!
25 April 2008
“De-Eskalation
in Kundengesprächen”
das heißt:
beleidigen lassen
und dabei unbeeindruckt bleiben
der Vorteil?
: Zeitersparnis!
da kommt doch
so eine blöde Kuh daher
fragt:
“… und wo, bitte,
bleibt da die Selbstachtung?”
: Soll sie sie doch
- zusammen mit den Beleidigungen -
am Arsch lecken!
saumselig
20 April 2008
säumig
und darüber selig sein
träge
langsam
und darüber selig sein
vor langer Zeit schon
verließ sie mich
die Saumseligkeit
sie zuckte resigniert
mit den Schultern
wandte mir träge
noch einmal ihr Gesicht zu
und ging langsam davon
Antworten zu “Wer?”
15 April 2008
Wer?
14 April 2008
ich führe zwei Leben
14 April 2008
eines voller
Bissigkeit
Versiertheit
Angeödetsein
- mir macht keiner was vor
ich bin ja so “tough” -
und ein anderes
in dem ich mich
von mir selbst erhole
1000 Herzen
7 April 2008
deine 1000 Herzen
Baum
sie wuchsen heran
getrieben von ihren
kleinen, doch starken Sehnsüchten
nach sanfter Sonne
und milder Luft
Frühling!
die mutigen Herzen
Baum
die hoffnungsfrohen
und die neugierigen
alle
die es wagten
sich zu öffnen
gingen alsbald zu Boden
gepeitscht von kalten Winden
geschlagen und zerschmettert
von eisigem Regen
Baum!





